• SCHLAFSTÖRUNGSYSTEM

Spezielle Schlafprobleme: Schlafsucht, Schlafwandeln, Schlafapnoe

Nicht nur die häufig vorkommenden Ein- und Durchschlafstörungen können die Nachtruhe erheblich beeinträchtigen. Tagsüber auftretende Schlafattacken, nächtliches Umherwandern und häufiges Aufwachen durch Atemstillstände gehören zwar zu den selteneren Schlafstörungen, sind für die Betroffenen deshalb aber nicht weniger belastend.


Schlafprobleme durch Hypersomnien


Unter einer Hypersomnie versteht der Mediziner eine extreme Form anfallsartig auftretender Tagesmüdigkeit trotz normaler Schlafdauer. Zu diesen die Lebensqualität einschränkenden Schlafstörungen gehört die Narkolepsie. Die auch als Schlafkrankheit oder Schlafsucht bezeichnete neurologische Erkrankung kommt hierzulande recht selten vor:

Expertenschätzungen zufolge betrifft sie lediglich rund 40.000 Menschen. Wie hoch die Dunkelziffer bei ihr ist, kann nur vermutet werden: Manche Betroffene haben wegen ihrer besonderen Symptome Bedenken, eine Arztpraxis aufzusuchen. Andere wiederum erhielten eine andere Diagnose.

Die Schlafsucht zeigt sich meist erst während der Pubertät und im frühen Erwachsenenalter. Im Einzelfall können allerdings auch Kinder betroffen sein. Weil anfangs nur vereinzelte Symptome auftreten, wird sie normalerweise erst frühestens zehn Jahre später diagnostiziert.

Die durch eine zentralnervöse Störung hervorgerufene chronische Erkrankung ist zwar nicht lebensgefährlich, lässt sich aber bis dato nicht heilen. Typisch für sie ist, dass die Patienten ihre Schlafanfälle nicht verhindern können. Manche von ihnen schaffen es jedoch noch rechtzeitig vor der Schlafattacke, sich ins Bett zu legen.

Narkoleptiker schlafen ohne erkennbaren Grund beim Essen, Sprechen, am Arbeitsplatz und in den öffentlichen Verkehrsmitteln ein und sinken dabei oft in sich zusammen. Das nicht kontrollierbare Einnicken kann bei gefährlichen Tätigkeiten (Bedienen von Maschinen!) sogar Verletzungen zur Folge haben. Die Patienten werden oft von ihrem Umfeld diskriminiert, weil man sie wegen ihres unsicheren Gangs und ihrer Schlafanfälle für Alkoholabhängige hält. Die Narkolepsie tritt in drei Formen auf:

  • Narkolepsie ohne Kataplexie (Muskelerschlaffung)

 

  • Narkolepsie mit Kataplexie (häufigste Form)

 

  • sekundäre Narkolepsie (Folge von Tumoren, Hirnverletzungen)

    Um als Narkoleptiker diagnostiziert zu werden, müssen Sie mindestens sechs Monate lang die typischen Narkolepsie-Symptome haben. Entsprechende Tests werden von Schlafmedizinern im Schlaflabor durchgeführt.


Narkolepsie Symptome


Menschen, die an Narkolepsie leiden, werden in alltäglichen Situationen vom Schlaf überwältigt. Befinden sie sich in einer bequemen Sitzposition, schlafen sie ein. Verlieren sie dabei die Kontrolle über ihren Muskeltonus, was meist der Fall ist, sacken sie zusammen. Narkoleptiker sind allerdings trotz ihres schlafähnlichen Zustands bei vollem Bewusstsein.

Leitsymptom der Erkrankung ist ein extremes Schlafbedürfnis tagsüber. Die Schlafattacken treten insbesondere in schlecht beleuchteten Räumen (Kino) und in als langweilig empfundenen Situationen (langes Zuhören, stundenlange Bahnfahrten) auf.

Weckt man den Narkoleptiker auf, schläft er sofort wieder ein, wenn er nicht ausreichend geschlafen hat. Während des Müdigkeitsanfalls spricht er nur undeutlich und torkelt oder schwankt beim Gehen. Sein Blick wirkt glasig.

Zweitwichtiges Narkolepsie-Symptom ist die Muskelerschlaffung, die bei neun von zehn Betroffenen die Schlafattacken begleitet. Auch wenn die Patienten bewusst wahrnehmen, was während ihres Anfalls passiert und sich später an fast alles erinnern, können sie oft nicht sprechen. Die meist nur wenige Sekunden anhaltende Kataplexie kann einige Muskelpartien oder alle betreffen.

Im Fall von leichten Muskelerschlaffungen fallen den Patienten Gegenstände aus der Hand. Erschlafft die gesamte Muskulatur, können sie sogar hinfallen. Sind die Gesichtsmuskeln vorübergehend unkontrollierbar, wird ihre Sprache undeutlich. Ausgelöst wird der Spannungsverlust der Muskeln durch intensive Gefühle wie Furcht, Erschrecken, Freude und Lachen.

Im weiteren Verlauf der Erkrankung kommt es bei jedem zweiten Erkrankten zu nächtlichen Schlafstörungen (Durchschlafproblemen mit langen Wachphasen). Der leichte Schlaf bietet kaum Erholung, sodass die Patienten müde aufwachen. Manche von ihnen bewegen sich heftig während des Schlafs oder haben Albträume.

Während des Einschlafens und Aufwachens leiden fast 50 % der Narkoleptiker an kurzzeitigen Lähmungen, die von allein wieder verschwinden: Sie können einige Sekunden bis Minuten nicht sprechen und sich bewegen. Jeder Zweite erlebt zu Beginn und am Ende des Dämmerschlafs realitätsnahe Sinnestäuschungen (Halluzinationen).

Narkoleptiker zeigen außerdem automatisches Verhalten. Sie setzen trotz Schlafanfalls die begonnene Handlung fort, weil sie versuchen, gegen die Schlafattacke anzugehen. Dabei bemerken sie allerdings nicht, dass sie sich in Gefahr befinden. Liefen sie beispielsweise zu Beginn des Schlafanfalls auf dem Fußgängerüberweg, gehen sie weiter, auch wenn die Ampel bereits länger auf Rot steht.

Außer diesen klassischen Narkolepsie-Anzeichen treten noch Begleitsymptome wie Kopfschmerzen und Konzentrationsprobleme auf. Die Betroffenen sind infolge ihrer häufigen Müdigkeitsanfälle im Alltag stark beeinträchtigt und können daher keinen Beruf ausüben.


Narkolepsie: Ursache und Behandlung


Mediziner gehen davon aus, dass es sich bei der Schlafsucht um eine Autoimmunerkrankung handelt. Bei dieser zerstören bestimmte Abwehrzellen langsam die Gehirnnervenzellen, die den Botenstoff Hypocretin produzieren. Im Fall der Narkolepsie handelt es sich um T-Lymphozyten des Untertyps CD4 und (in selteneren Fällen) CD8.

Diese speziellen Immunzellen verursachen Entzündungen, die zum langsamen Untergang der Hypocretin erzeugenden Neuronen führen. Hypocretin regelt den Schlaf-Wach-Rhythmus, die Emotionen und das Ernährungsverhalten. Untersuchungen ergaben, dass Narkoleptiker einen besonders niedrigen Hypocretinspiegel in der Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit haben.

Die Schlafsucht lässt sich durch die Verabreichung von stimulierenden Medikamenten oder off-label gegebenen Mitteln (Dextroamphetamin, Ephedrin, bestimmte Antidepressiva) bessern. Zu den nichtmedikamentösen Maßnahmen gehören beispielsweise die genaue Einhaltung des Schlaf-Wach-Rhythmus und mehrerer kurzer Schlafpausen am Tag. Neue Therapien, die die Erkrankung ursächlich behandeln, müssten nach Ansicht der Mediziner auf die Eindämmung der schädigenden T-Zellen ausgerichtet sein.


Schlafprobleme infolge von Parasomnien


Als Parasomnien bezeichnet man Unterbrechungen der Schlafdauer durch bestimmte Vorgänge. Zu diesen Schlafstörungen zählt beispielsweise das Schlafwandeln (Somnambulismus). Während der oft nur wenige Minuten andauernden unbewussten Aktivitäten läuft der halbwache Schlafwandler mit weit aufgerissenen Augen, leerem Blick und unsicherem Gang durch die Wohnung oder sogar hinaus ins Freie.

Andere bleiben im Bett und fangen an zu schreien oder führen Selbstgespräche. Manche von ihnen steigen sogar ins Auto und fahren los. Die am Morgen nicht mehr erinnerten nächtlichen Aktivitäten ereignen sich im dritten und vierten Schlafstadium (Tiefschlafphase). Dann erwachen Muskulatur und bestimmte Gehirnregionen, während sich andere weiter im Tiefschlaf befinden. Zur Aktivierung reicht schon ein lautes Geräusch.

Schlafwandler laufen stets auf eine Lichtquelle zu. Dies war früher der Mond, weshalb man die Betroffenen auch Mondsüchtige nannte. Die Mehrzahl der Patienten sind Kinder zwischen vier und sechs Jahren (30 %) und Jugendliche kurz vor der Pubertät (17 %). Nur etwa 4 Prozent der Erwachsenen sind während des Schlafs unterwegs.

Schlafwandler handeln automatisch und sind in ihrem Reaktionsvermögen eingeschränkt. Daher können sie sich leicht verletzen. Leben Sie mit einem Schlafwandler zusammen, tun Sie gut daran, sämtliche Gefahrenquellen zu beseitigen, Fenster und Türen abends abzuschließen und den Schlüssel zu verstecken.

Wecken Sie ihn unter keinen Umständen und schauen Sie ihm nicht in die Augen. Sonst erschreckt er sich und erleidet womöglich einen Unfall. Bringen Sie ihn langsam wieder ins Bett und reden Sie dabei leise und beruhigend auf ihn ein.


Ursachen des Schlafwandelns


Warum manche Menschen im Schlaf umherwandern, die Wohnung putzen oder sich aus dem Kühlschrank bedienen, ist medizinisch noch nicht abschließend geklärt. Wissenschaftler nehmen aber eine genetische Veranlagung als Ursache an: Sind beide Eltern Schlafwandler, hat ihr Kind ein sechzigprozentiges Risiko, später selbst nachts auf Streifzug zu gehen.

Außerdem schlafwandeln die Betroffenen, wenn sie starken seelischen Belastungen und Stress ausgesetzt oder einfach übermüdet sind. Erwachsene, die im Schlaf unterwegs sind, leiden oft an einer neurologischen Erkrankung (Epilepsie). Außerdem werden bei ihnen Medikamente und Alkohol als mögliche Verursacher diskutiert.


Behandlung des Schlafwandelns


Stressbedingtes Schlafwandeln lässt sich gut mit Entspannungstechniken wie Progressiver Muskelentspannung, einer professionellen Hypnose oder einer Psychotherapie lindern. Erwachsenen Patienten mit dieser Schlafstörung verordnet man meist Schlafmittel (Benzodiazepine) und Serotonin-Wiederaufnahmehemmer wie Paroxetin. Im Alter verschwindet das Schlafwandeln oft von allein.


Gefährliche Schlafprobleme: Schlafapnoe-Syndrom


Bei einer Schlafapnoe kommt es während des Schlafs zu unkontrollierbaren Atempausen. Diese sorgen dafür, dass der Patient keine erholsame Nachtruhe hat, erschöpft aufwacht und an starker Tagesmüdigkeit leidet. Im Unterschied zu herkömmlichen Schnarchern gibt der am Schlafapnoe-Syndrom Erkrankte zusätzlich in unregelmäßigen Abständen extrem laute Schnarchtöne von sich.

Die kurzfristigen Atemstillstände können im weiteren Verlauf länger und sogar lebensbedrohlich werden. Mediziner nehmen an, dass die Erkrankung bei zwei bis vier Prozent der 30- bis 60-Jährigen auftritt. Besonders betroffen sind Männer, ältere Menschen, Übergewichtige und Personen, die regelmäßig Schlaf- oder Beruhigungsmittel einnehmen.

Die Mehrzahl der Patienten mit Atemaussetzern leidet an einem obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom (OSAS). Beim Schlafen erschlafft die Muskulatur des weichen Gaumens nahe dem Zäpfchen. Die Zunge fällt nach hinten, sodass sie die Atemwege ganz oder teilweise verschließt.

Der Betroffene bekommt kaum noch Luft. Die Unterversorgung mit Sauerstoff bewirkt, dass der Körper sofort die Zwerchfell- und Brustmuskeln aktiviert. Der Blutdruck steigt an. Das Herz pumpt kräftiger. Dadurch erwacht der Schlafende.

Der zehn Sekunden bis zwei Minuten andauernde Atemstillstand kann mindestens fünfmal pro Stunde auftreten und wird jeweils durch einige tiefe Atemzüge (Hyperventilationen) beendet. Das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom kann durch Nasenpolypen, eine Nasenscheidewandverkrümmung und durch vergrößerte Mandeln ausgelöst werden.

Bei der selteneren zentralen Schlafapnoe, unter der insbesondere ältere Menschen leiden, sorgen neurologische Schäden für die beeinträchtigte Atmung und den nicht erholsamen Schlaf. Diese Schlafapnoe-Form bewirkt keinen fast vollständigen kurzzeitigen Verschluss des Rachens:

Die Atmung ist durch eine unzureichende Tätigkeit der Atemmuskulatur eingeschränkt. Die zentrale Schlafapnoe ist normalerweise ungefährlich und bedarf nur dann einer Behandlung, wenn Sie zugleich an Nervenstörungen oder einer Herzschwäche leiden. Haben Sie jedoch eine obstruktive Schlafapnoe, ist es ratsam, diese schnellstmöglich therapieren zu lassen. Sonst kann es zu schweren Herz-Kreislauferkrankungen kommen.

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