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Einschlafstörungen: Was Sie darüber wissen sollten

Laut einer aktuellen Studie ist jeder neunte volljährige Bundesbürger von Einschlafstörungen betroffen. Je höher das Lebensalter, desto größer ist das Risiko, Einschlafprobleme zu bekommen. Treten diese nur ab und zu auf, müssen sie nicht unbedingt vom Arzt abgeklärt werden. In diesem Fall kehrt das normale Schlafbedürfnis zurück, wenn die Belastungssituation vorüber ist.


Einschlafstörungen und ihre Symptome


An Einschlafstörungen leidet, wer länger als drei Wochen mindestens dreimal pro Woche wenigstens 30 Minuten nach dem Zubettgehen wach liegt. Akute Einschlafstörungen können bis zu vier Wochen andauern. Sind sie nach sechs Monaten immer noch vorhanden, sprechen Schlafmediziner von chronischen Einschlafstörungen. In der Mehrzahl der Fälle sind sie mit Durchschlafstörungen kombiniert.

Halten Ihre Einschlafstörungen mehrere Wochen an und leiden Sie stark darunter, sollten Sie Ihren Hausarzt aufsuchen. Dieser verschreibt Ihnen vorübergehend ein schlafförderndes Medikament, damit Sie erst einmal zur Ruhe kommen. Einschlafstörungen treten im Alter häufiger auf als bei jungen Menschen und Personen mittleren Alters. Leiden Sie an Einschlafstörungen, zeigen sich mehrere Symptome. Sie

  • sind abends müde, schlafen aber verspätet ein

 

  • wachen müde auf und sind den ganzen Tag über erschöpft und energielos

 

  • schaffen die gewohnte Arbeitsleistung nur mit Mühe oder überhaupt nicht

 

  • grübeln im Bett über das erschwerte Einschlafen

 

  • haben morgens das Gefühl, nicht genug geschlafen zu haben

 

  • haben keine Lust, Ihren normalen Alltagsaktivitäten nachzugehen

 

  • sind nervös, ungeduldig und gereizt

 

  • können sich nur mit Mühe konzentrieren und sind oft unaufmerksam

 

  • haben ein verlangsamtes Reaktionsvermögen

 

  • können sich Dinge schlechter merken

 

  • sind niedergeschlagen

 

  • neigen zu ungewohnten Angstreaktionen



Langfristig gesehen, schaden Einschlafstörungen nicht nur Ihrer seelisch-geistigen Gesundheit: Sie laufen Gefahr, eine chronische Herz-Kreislauf-Erkrankung zu bekommen. Denn eine dauerhaft schlechte Schlafqualität kann einen stark erhöhten Blutdruck, einen Schlaganfall oder Herzinfarkt zur Folge haben.

Die Beeinträchtigung Ihres Immunsystems kann Ihr Risiko für Infektionen vergrößern. Die durch die Schlafprobleme verursachten hormonellen Veränderungen können Ihren Blutzuckerspiegel ansteigen lassen und somit eine Zuckerkrankheit auslösen.

Ein chronisches Schlafproblem ist sogar imstande, eine unerwünschte Gewichtszunahme herbeizuführen. Bei Einschlafstörungen, die mit anderen Schlafproblemen wie beispielsweise Durchschlafstörungen, Schlafwandeln, RLS (Restless-Legs-Syndrom) oder Schlafapnoe einhergehen, kommt es noch zu weiteren Symptomen, die mit diesen Krankheiten und Beschwerden verbunden sind.


Wie Ihr Schlaf abläuft


Treten bei Ihnen vorübergehende Einschlafstörungen auf, denken Sie bitte daran, dass Sie nicht unbedingt eine bestimmte Anzahl von Stunden schlafen müssen, um sich am folgenden Tag wohlzufühlen. Auch wenn Schlafmediziner die optimale Schlafdauer mit acht Stunden veranschlagen. Außerdem müssen Sie bei kurzzeitigen Einschlafproblemen nicht zwangsläufig festgelegte Schlafenszeiten einhalten.

Schlafdauer, Schlafgewohnheiten und nächtliches Ruhebedürfnis sind individuell verschieden. Der Ablauf der Schlafphasen ist jedoch bei allen Menschen gleich. Diese sogenannte Schlafarchitektur besteht aus vier bis sechs Tiefschlaf- und REM-Phasen. Bei jungen Menschen und Personen mittleren Alters dauern diese jeweils etwa 90 Minuten an.

Während der Nacht wacht der Schlafende außerdem etwa 28-mal auf. Diese kurzen Unterbrechungen werden später vergessen, wenn sie höchstens drei Minuten lang andauern. Legen Sie sich ins Bett, passiert Folgendes: Schlafen Sie ein, durchlaufen Sie in Phase 1 und 2 das Einschlaf- und Leichtschlafstadium.

In den Phasen 3 und 4 befindet sich Ihr Körper in den beiden Tiefschlafstadien. Während der fünften Phase durchlaufen Sie den Traumschlaf (REM-Phase). REM ist die Abkürzung für Rapid Eye Movement (schnelle Augenbewegung) und bezieht sich auf die sich während des Träumens unter den Lidern hin- und herbewegenden Augäpfel.

Misst man Ihre Gehirnströme mithilfe von Elektroden und zeichnet sie in einem EEG auf, wird die im Wachzustand flache gezackte Linie noch flacher und weniger gezackt. Der nach dem Einschlafen einsetzende leichte Schlaf geht nach 20 bis 30 Minuten in die erste Tiefschlafphase über.

Dann zeigt die EEG-Linie ein Muster mit tiefen Tälern. Die erste Tiefschlafphase dauert etwa eine Stunde an. Alle folgenden Tiefschlafstadien werden gegen Morgen hin immer kürzer und wechseln mit Traumphasen ab. Während Sie tief schlafen, verarbeitet Ihr Gehirn das tagsüber Gelernte.

Ihr Organismus setzt Wachstumshormone frei. Diese stärken die Immunabwehr und sorgen dafür, dass sich Ihre Organe, Gewebe und Zellen regenerieren. Während des Tiefschlafs erholt sich Ihr gesamter Körper. Ihr Blutdruck sinkt und Ihre Muskeln entspannen sich. Ihr Cortisolspiegel befindet sich auf dem Tiefstand.

Sind Sie in einer der auf die Tiefschlafepisoden folgenden Traumphasen, ähnelt die EEG-Linie dem für den Wachzustand typischen Muster. Erwachen Sie in einer REM-Phase, können Sie sich genau an Ihren Traum erinnern. Auch wenn Sie einen Albtraum haben, können Sie sich nicht bewegen. Ihr Körper reagiert auf diesen höchstens mit einem Zucken von Beinen und Armen.

Während Sie träumen, ist Ihr Blutdruck, Puls und Kalorienverbrauch fast genauso hoch wie im Wachzustand. Erreichen Sie das letzte Drittel der Nacht, schüttet Ihr Körper vermehrt Cortisol aus, um sich auf den nächsten Tag vorzubereiten. Eine Stunde vor dem Erwachen befinden Sie sich wie beim Einschlafen in einem leichten Schlaf (Dämmerschlaf).

Im fortgeschrittenen Lebensalter verändert sich die Schlafarchitektur grundlegend. Die Tiefschlafphasen sind kürzer und Sie erreichen das vierte (tiefste) Tiefschlafstadium meist nicht mehr. Darüber hinaus ist die gesamte Schlafdauer verglichen mit früheren Lebensjahren verkürzt. Die Länge der REM-Phasen verringert sich ebenfalls. Bei sehr alten Menschen beträgt der Anteil des Tiefschlafs an der gesamten Schlafdauer lediglich fünf Prozent.

Die Einschlaf- und Leichtschlafdauer sind stattdessen erhöht. Darüber hinaus nimmt die Anzahl der kurzen Wachzustände zu. Der Schlaf alter Menschen ist insgesamt flacher, nicht so erholsam und kann leichter durch äußere Reize gestört werden. Um die fehlende Nachtruhe zu kompensieren, halten ältere Menschen tagsüber oft Mittagsschlaf.


Ursachen von Einschlafstörungen


Einschlafstörungen können die unterschiedlichsten Ursachen haben. Zu diesen zählen:

  • schlechte Gewohnheiten

 

  • starker Konsum von Genussmitteln (Alkohol, Zigaretten)

 

  • unvorteilhafte Schlafumgebung

 

  • besondere psychische Befindlichkeiten, seelische Erkrankungen

 

  • akute und chronische körperliche Krankheiten

 

  • besondere Lebensumstände

 

  • Einnahme bestimmter Arzneimittel (Betablocker, Migränemittel, Statine)


Schlechte Gewohnheiten


Gehören Sie zu den Patienten, die chronische Einschlafstörungen haben, sollten Sie nach Möglichkeit jeden Tag zur selben Zeit zu Bett gehen und aufstehen. Denn unregelmäßige Schlafenszeiten können das schnelle Einschlafen erschweren. Vermeiden Sie außerdem üppige Mahlzeiten:

Werden sie erst kurz vor der Nachtruhe eingenommen, können sie sich genauso negativ auswirken wie ein zu leerer Magen. Für das Einschlafen hinderlich sind darüber hinaus am späten Nachmittag konsumierte Getränke wie Kaffee, Cola, Schwarztee und Energydrinks.

Als passionierter Kaffeetrinker reduzieren Sie am besten auch die tägliche Gesamtmenge an Kaffee. Damit Sie abends müde genug sind, sollten Sie als älterer Mensch möglichst auf das Nickerchen tagsüber verzichten. Freizeitsportler verlegen ihre körperlichen Aktivitäten auf Zeiten bis 16 Uhr. Aber auch zu wenig Bewegung kann Sie am Einschlafen hindern, weil Ihr Körper unausgelastet ist.


Unvorteilhafte Schlafumgebung


Ist Ihr Schlafzimmer störenden Umweltreizen wie Lärm durch vorbeifahrende Autos oder Flugzeuge beziehungsweise Lichtquellen (Laterne vor dem Fenster) ausgesetzt, müssen Sie diese beseitigen, um besser einschlafen zu können. Schnarcht Ihr Partner, empfiehlt es sich, wenigstens vorübergehend getrennt zu schlafen.

Außerdem können zu weiche und harte Matratzen, verrutschende und zu hohe Kopfkissen und ungeeignete Bettdecken Einschlafstörungen begünstigen. Ist es in Ihrem Schlafraum zu kalt oder zu warm oder enthält die Atemluft zu wenig Sauerstoff, kann es ebenfalls zu Einschlafstörungen kommen.


Einfluss der Psyche


Einschlafstörungen sind oft Folge andauernder übermäßiger emotionaler Belastung. Haben Sie berufliche oder private Probleme, die sich (noch) nicht lösen lassen, nehmen Sie sie mit ins Bett. Diese Grübeleien hindern Sie daran, wie gewohnt einzuschlafen. Eine ähnlich verheerende Wirkung haben Schicksalsschläge wie der Verlust eines geliebten Menschen, Arbeitslosigkeit und finanzielle Notlagen.

Auch ein Übermaß an Arbeit und das zwanghafte Nachdenken, woher die Einschlafstörungen kommen, können zum Auftreten chronischer Schlafprobleme führen. Sogar die erhöhte Anspannung vor einer Operation oder Prüfung ist imstande, Einschlafstörungen auszulösen.

Diese gehen allerdings meist vorüber, sobald die belastende Situation überstanden ist. Leiden Sie an Einschlafstörungen und befindet sich Ihr Arbeitsplatz im Schlafzimmer, sollten Sie dies schnellstens ändern. Außerdem kann es im Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen wie Angststörungen, Depressionen und Psychosen zum Auftreten von Einschlafproblemen kommen.


Akute und chronische körperliche Erkrankungen


Sind Sie erkältet, hindern Sie starker Husten und eine verstopfte Nase am schnellen Einschlafen. Zu dauerhaften Einschlafstörungen kann es kommen, wenn Sie an einer chronischen Krankheit leiden. So haben beispielsweise Neurodermitis-Patienten während eines Schubes stark juckende und nässende Ekzeme auf der Haut, die sie am Einschlafen hindern.

Die von einer Schilddrüsenüberfunktion ausgelöste hormonelle Störung wirkt sich ebenfalls oft hinderlich aus. Bei Patienten mit Migräne und rheumatoider Arthritis werden die Einschlafstörungen von starken Schmerzen hervorgerufen beziehungsweise noch verstärkt.

Neurologische Erkrankungen wie die Narkolepsie, bei der die Betroffenen tagsüber von Schlafattacken überwältigt werden, sorgen dafür, dass der Tag-Nacht-Rhythmus gestört ist. Daher treten bei diesen Patienten ebenfalls Einschlafstörungen auf. Auch Menschen, die an einer Demenzform, an multipler Sklerose oder Parkinson erkrankt sind, haben oft Einschlafprobleme.


Besondere Lebensumstände als Verursacher von Einschlafstörungen


Zu ihnen zählen beispielsweise körperliche Umbruchphasen wie Schwangerschaft und Wechseljahre. Bei diesen sorgen die damit einhergehenden hormonellen Veränderungen für Symptome, die das Einschlafen stören können.

Arbeiten Sie in wechselnden Schichten oder müssen Sie aus beruflichen Gründen öfter lange Flugreisen unternehmen, können der gestörte Tag-Nacht-Rhythmus und die wechselnden Zeitzonen Einschlafschwierigkeiten hervorrufen: Jeder zweite Schichtarbeiter klagt über Probleme mit dem Einschlafen. Manche Menschen bekommen sogar (vorübergehende) Einschlafstörungen, wenn sie auf der Reise in einem fremden Bett schlafen.

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