• SCHLAFSTÖRUNGSYSTEM

Durchschlafstörungen: Je anhaltender, desto gesundheitsschädlicher

Statistisch gesehen, leiden etwa 24 Prozent der über 18-Jährigen an Durchschlafstörungen. Sie haben mindestens dreimal pro Woche Schwierigkeiten, nach dem nächtlichen Erwachen wieder einzuschlafen. So das Ergebnis einer umfassenden Studie, bei der ausschließlich Betroffene mit Durchschlafstörungen befragt wurden.

Andere Untersuchungen zeigten, dass viele Patienten mit Durchschlafstörungen zusätzlich Probleme mit dem Einschlafen haben. Menschen in höherem Alter sind noch häufiger von den unerwünschten Wachphasen betroffen als jüngere.


Durchschlafstörungen: Symptome und mögliche Folgen


Von Durchschlafstörungen spricht man, wenn der Betroffene mindestens dreimal pro Woche wenigstens vier Wochen lang nachts mehrmals aufwacht und dann jeweils mindestens 30 Minuten wach liegt. Das eigentlich Problematische an dieser vorwiegend im Tiefschlaf auftretenden Schlafstörungen ist nicht das häufige Erwachen, sondern die Schwierigkeit, danach wieder einzuschlafen.

Es ist völlig normal, nachts mehrere Male aufzuwachen. Zum Problem werden die Schlafunterbrecher jedoch dann, wenn sich der Betroffene auf sie konzentriert. Also wenn er sie als zu lange empfindet, ständig auf den Wecker schaut und Angst davor hat, noch länger schlaflos im Bett zu liegen und am nächsten Morgen nicht ausgeruht zu sein.

Versucht er krampfhaft wieder einzuschlafen, gelingt ihm das meist nicht mehr, weil er sich selbst unter Druck gesetzt hat. Passiert das öfter, kreisen seine Gedanken nur noch um seine Schlafprobleme. Findet er dann schließlich Schlaf, ist seine Nachtruhe unruhig und schon leichte Reize können ihn wieder wecken. Der mit Durchschlafstörungen einhergehende Schlafmangel zeigt sich mit Symptomen wie

  • nächtlichem Schwitzen

 

  • schnellerem Herzschlag

 

  • Schwierigkeiten, morgens aufzustehen (verlängerte Aufwachphase)

 

  • morgendlichen Kopfschmerzen

 

  • Müdigkeit am Morgen und tagsüber

 

  • Erschöpfungszuständen

 

  • Antriebs- und Lustlosigkeit

 

  • nervöser Anspannung

 

  • Gereiztheit und schlechter Laune

 

  • Konzentrationsstörungen

 

  • eingeschränkter Merkfähigkeit

 

  • unbeabsichtigem kurzzeitigem Einschlafen tagsüber

 

  • nachlassender Arbeitsleistung

 

  • verlangsamten Reaktionen

 

  • Ängsten

 

  • Depressionen



Auf der körperlichen Ebene können Durchschlafstörungen zum Auftreten von Bluthochdruck, Magen-Darm-Problemen (Durchfall, Verstopfung), häufigen Infektionen und Übergewicht führen. Darüber hinaus haben Sie ein erhöhtes Risiko, dadurch einen Schlaganfall oder Herzinfarkt zu bekommen. Die von Ihrer Schlafstörung ausgelösten hormonellen Veränderungen lassen Ihre Blutzuckerwerte ansteigen, sodass Sie sogar an Diabetes erkranken können.

Dauern Ihre Durchschlafstörungen länger als vier Wochen an und sind Sie durch die damit einhergehenden Beschwerden in Ihrem Alltag stark eingeschränkt, empfiehlt es sich, möglichst bald einen Arzt zu konsultieren. Dies gilt insbesondere dann, wenn Sie die Ursache Ihrer Durchschlafstörungen nicht kennen.

Denn lassen Sie Ihr Schlafproblem nicht medizinisch abklären und behandeln, verschlimmern Sie es durch die in der Zwischenzeit aufgebauten Ängste zusätzlich. Durchschlafstörungen können noch andere Probleme mit sich bringen. Nach Einschätzung von Experten werden etwa 25 % aller Unfälle im Straßenverkehr und am Arbeitsplatz durch Übermüdung verursacht: Der Schlafmangel setzt die Reaktionsgeschwindigkeit erheblich herab.


Durchschlafstörungen: Ursachen und Risikofaktoren


Hauptursachen für Durchschlafstörungen sind:

  • regelmäßiger Alkoholkonsum

 

  • starkes Rauchen

 

  • bestimmte Medikamente

 

  • koffeinhaltige Getränke

 

  • falsche Ernährungsgewohnheiten

Trinken Sie vor dem Schlafengehen Alkohol, schlafen Sie zwar schneller ein, wachen dafür aber häufig auf und liegen dann längere Zeit wach. Nehmen Sie dauerhaft Schlafmittel ein, können diese ebenfalls dafür sorgen, dass Sie öfter aufwachen und keine ausreichende Schlaftiefe erreichen. Und dieser flachere Schlaf ist weniger erholsam.

Bei anderen Medikamenten sind es die Nebenwirkungen, die Probleme mit dem Durchschlafen verursachen können. Trinken Sie am späten Nachmittag oder Abend noch Kaffee oder Cola oder sind Sie starker Raucher, können die meist nachts auftretenden Entzugserscheinungen das Wiedereinschlafen empfindlich stören.

Darüber hinaus sind körperliche Erkrankungen oft Schuld an Schlafstörungen. Die für die Entgiftung des Körpers verantwortlichen Organe Leber, Galle und die Lunge arbeiten normalerweise während des Schlafs auf Hochtouren. Leiden Sie an einer funktionellen Störung, die eines oder mehrere dieser lebenswichtigen Organe betrifft, kommt es oft nachts zu Beschwerden.

Diese können Sie daran hindern, nach dem Erwachen wieder einzuschlafen. Ist ein zu niedriger Blutdruck das Problem, kann es nach Mitternacht zu Durchschlafstörungen kommen. Denn zu dieser Zeit sinkt Ihr Blutdruck stark ab, sodass Ihr Körper den Kreislauf durch eine Weckreaktion regulieren muss.

Auch Herzrhythmusstörungen und häufiger Harndrang durch eine hyperaktive Harnblase oder Prostatavergrößerung führen zu nächtlichem Aufwachen und erschwertem Einschlafen. Das sogenannte Restless-Legs-Syndrom (RLS) kann ebenfalls belastende Durchschlafstörungen zur Folge haben:

Bei dieser neurologischen Erkrankung sorgen gegen Abend auftretende Missempfindungen in den Beinen wie Kribbeln und Brennen oder ein intensiver anhaltender Bewegungsdrang dafür, dass der Betroffene aufsteht und im Zimmer umherwandert. Diese körperliche Aktivität und das Nachdenken über die gestörte Nachtruhe verhindern das baldige Einschlafen.

In diesem Fall kann nur eine Beseitigung der Ursachen durch eine passende Therapie das Durchschlafproblem beheben. Eine andere RLS-Variante zeigt sich beispielsweise mit unwillkürlichen Zuckungen der Beine im Schlaf. Sind Sie erkältet, können die nachts besonders intensiven Hustenanfälle Sie ebenfalls daran hindern, bald wieder in Schlaf zu fallen.

Zu den wichtigsten Risikofaktoren, die das Auftreten von Durchschlafstörungen begünstigen, zählen belastende Außenreize wie Lärm und zu viel Helligkeit, unregelmäßige Schlafenszeiten durch Schichtarbeit, schlechte Gewohnheiten (langes Fernsehen) und ein Lebensalter über 65 Jahre.


Durchschlafstörungen behandeln


Sind Ihre Durchschlafstörungen Folge eines länger anhaltenden Schlafmittelkonsums, sprechen Sie Ihren behandelnden Arzt baldmöglichst darauf an. Er verschreibt Ihnen dann ein anderes Mittel. Haben Sie den Verdacht, dass Ihr Schlafproblem die Folge von abends eingenommenen Arzneimitteln ist, sollten Sie ihm dies ebenfalls mitteilen.

Leiden Sie an einer körperlichen Erkrankung, muss zuerst diese behandelt werden. Denn in den meisten Fällen bessert sich die Durchschlafstörung von allein, wenn die Grunderkrankung entsprechend therapiert wird. Ähnliches gilt für psychische Erkrankungen.

Werden Ihre Durchschlafstörungen von ungünstigen Lebensgewohnheiten oder einer unvorteilhaften Schlafumgebung verursacht, können Sie diese ohne ärztliche Hilfe bessern, wenn Sie sich an folgende Tipps halten:

  • Korrigieren Sie Ihre Einstellung zum Schlafen: Möchten Sie den Schlaf erzwingen, passiert das Gegenteil.

 

  • Probieren Sie aus, welche der Maßnahmen Ihnen am besten helfen. Maßgeschneiderte Lösungen im Umgang mit Durchschlafstörungen gibt es nicht.

 

  • Verbannen Sie alles, was nicht mit einer erholsamen Nachtruhe zu tun hat, aus Ihrem Bett und Schlafzimmer. Ihr Körper muss lernen, das Bett nicht mehr mit Tätigkeiten wie Arbeiten, Essen, Telefonieren und Briefe Schreiben in Verbindung zu bringen. Einzige Ausnahme: Sexuelle Aktivitäten sind erlaubt, weil diese schlaffördernd wirken.

 

  • Brauchen Sie nachmittags eine kurze Schlafpause, legen Sie sich bitte ins Bett und nicht auf die Couch.

 

  • Stoppen Sie Ihre Grübeleien, sobald Sie im Bett liegen. Prägen Sie sich eine bestimmte positive Vorstellung ein, auf die Sie sich nach dem Zubettgehen konzentrieren. Und schieben Sie störende Gedanken an Probleme beiseite, indem Sie wieder zu dieser Visualisierung zurückkehren.

 

  • Verändern Sie Ihr Schlafzimmer so, dass es eine Oase der Ruhe, Behaglichkeit und Geborgenheit wird. Streichen Sie es mit beruhigenden Farben und stellen Sie Ihre Lieblingsmöbel dort auf.

 

  • Liegen Sie länger als geschätzte 30 Minuten wach, stehen Sie auf und setzen Sie sich im Schlafzimmer woandershin. Stellt sich dann Müdigkeit ein, legen Sie sich wieder in Ihr Bett. Machen Sie dies auch im Winter so, wenn es im Bett wärmer als im Schlafzimmer ist. Dies gilt allerdings nicht, wenn Sie chronische Schmerzen haben. Dann sollten Sie lieber im Bett bleiben.

 

  • Während Sie sich außerhalb Ihres Betts aufhalten, tun Sie bitte nichts Anregendes. Lesen Sie am besten ein entspannendes Buch, sehen Sie fern oder kleben Sie Ihre Urlaubsfotos ein.

 

  • Gehen Sie nur ins Bett, wenn Sie müde sind. Achten Sie genau auf die Signale, die Ihnen Ihr Körper gibt. Denn legen Sie sich nur deshalb schlafen, weil es Schlafenszeit ist, liegen Sie später wach.

 

  • Gehen Sie nicht früher ins Bett, wenn Sie die vergangene Nacht schlecht geschlafen haben. Machen Sie stattdessen eine Ihrer Entspannungsübungen, um sich auf die Nacht vorzubereiten.

 

  • Stehen Sie nach Möglichkeit immer zur gleichen Zeit auf, auch wenn Sie meinen, keine erholsame Nachtruhe gehabt zu haben. Nur auf diese Weise kommt Ihr Körper wieder ins Gleichgewicht.

 

  • Verzichten Sie nach Möglichkeit auf einen Mittagsschlaf und holen Sie sich die nötige innere Ruhe durch eine Entspannungsübung.

 

  • Stellen Sie Ihren Wecker so auf, dass Sie die Uhrzeit nicht erkennen können, wenn Sie im Bett liegen. Dann geraten Sie beim Wachliegen nicht in Versuchung, ständig auf die Uhrzeit zu schauen, was Sie nur noch nervöser machen würde.

 

  • Essen Sie später zu Abend, nehmen Sie besser nur leicht verdauliche Speisen zu sich. Reichhaltiges Essen sorgt für einen unruhigen Schlaf.

 

  • Liegen Sie nachts wach, führen Sie am besten eine Ihrer Entspannungsübungen durch.

Haben Sie vier Wochen lang jede Nacht gut geschlafen, können Sie die genannten Tipps etwas lockerer handhaben und beispielsweise auch einmal am Wochenende länger schlafen.

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